Prince Jaycee wehrt sich gegen Ksi d’Or mit Zentimetervorsprung / Bara Rita und Titan Lad weiter auf Siegkurs / Ladia Pit rettet die Ehre Tschechiens
(mw) Karlshorst, Freitag, 18. Dezember 2009. Der Wintereinbruch hinterließ deutliche Spuren - nicht so sehr auf der Wuhlheider Piste, deren rund fünf Zentimeter dichte Schneedecke die unermüdliche Bahninspektion im Laufe des Freitags so gut in den Griff bekommen hatte, dass auf den Einsatz von Spezialbeschlägen verzichtet werden konnte.
Wohl aber dezimierten Schnee und Eis das Starterfeld, denn etliche Pferde - so die gesamte sechsköpfige Löschel-Streitmacht - zollten den Verkehrsverhältnissen Tribut und blieben im heimatlichen Stall, was sich mit krankheitsbedingten Ausfällen auf 18 Nichtstarter summierte. Bei frostigen -12° Celsius zeigten auch die Wetter dem Veranstalter eine ausgesprochen kalte Schulter. Trotz des Championatskampfs sowohl bei Profis wie Amateuren war vom warmen heimischen Ofen weg weder vor Ort noch in die Wettbuden der Republik sonderlich viel Publikum zu locken, so dass insbesondere der sonst so stabile Bahnumsatz in unterirdische Sphären abtauchte.
An der »Profi-Front« könnte Michael Nimczyk, der schon am Tag zuvor in Hamburg im direkten Duell mit Roland Hülskath mit 4:1 die Nase vorn hatte, eine kleine Vorentscheidung geschafft haben: Auf dem Papier schien der 23jährige die etwas schwächeren Pferde zur Hand zu haben, doch »aufm Platz« sah das ganz anders aus. Zwar verkürzte Hülskath mit seiner ersten Fuhre dank der wieder enorm einsatzfreudigen Josie Bes, die aus dem Windschatten von Umbra Houberg im Handumdrehen auf die Siegerstraße gelangte, auf 156 zu 158, doch glich der alte (und neue?) Champion umgehend aus: Diesmal ergriff Hülskath mit dem chancenreichen Lloyd Victory früh die Initiative, war aber pausenlosem Druck von Summerjam ausgesetzt, was gewaltig an die Nieren bzw. Reserven ging.Es kam, wie es fast zwangsläufig kommen musste: Die von Nimczyk ausgebufft stets in Deckung gehaltene Olivija bedankte sich mit feinem Endspurt, musste aber vor dem brillant nachsetzenden Jimmy Oldfield höllisch auf der Hut sein.
Als kurz danach Hülskaths chancenreicher Ischtvan mit Attest kurzfristig gestrichen werden musste, schien das regelrecht Wasser auf Nimczyksche Mühlen zu sein. War er noch vor Wochenfrist fast ängstlich zu Werke gegangen, so ergriff er heute die Chancen resolut beim Schopf und hatte dabei auch das Glück des Mutigen. Youcancallme Al marschierte stramm vorneweg, musste allerdings den knackigen Endspurt Violet Halls überstehen, die Manfred Zwiener einen Tick zu spät eingesetzte hatte - ausgerechnet der Mann, der Hülskath heute viele gute Pferde an die Hand gegeben hatte und quasi mit der Muttermilch eingesogen hat, wo der Karlshorster Zielpfosten steht.
Da war’s in der Abschlussprüfung nur folgerichtig, dass Nimczyk sich den mit einigem Aufwand aus dem Zulagenband aufrückenden Winsome Bo Bo an der Spitze austoben ließ, Lover vorschickte, um dem ein bisschen »am Zeug zu flicken« und selbst mit der punktgenau eingesetzten Wishmelucktoday eiskalt zuschlug. So viel Glück brachte den »Goldhelm bei einem Wuhlheider 3:1-End- und deutschen 161:156-Zwischenstand der Titelverteidigung einen entscheidenden Schritt näher. Fünf Punkte sind in dem Fight, bei dem es in den letzten Wochen an der Tabellenspitze oft genug hin- und herging, mitnichten ein sanftes Ruhekissen, doch ein erkleckliches Polster, zumal durch die Absage zweier Renntage für den »Silberhelm« so viel der Chancen zur Wiedergutmachung nicht mehr sind.
Einen durchaus möglichen vierten Zähler verhinderte mit einem schneidigen Lauf von der Spitze jene Ladia Pit, die bei den beiden vorigen Karlshorster Auftritten mit fliegenden Fahnen bzw. im Galopp völlig untergegangen war. Die aus bester Familie stammende Diamond Way-Tochter rettete die Ehre der aus Tschechien angereisten Trotter, für die bis dahin absolut nichts zusammen gelaufen war.
Der durchaus Ansprüche auf besseres Geld erhebende Piriac Cash sprang im Führungsgefecht mit Josie Bes wie später Le Loir des Bordes am Ende der Startgeraden, der mit Hoffnung gebenden Formen angereiste Negresco ging früh völlig unter, Summerjam ärgerte zwar Lloyd Victory gewaltig und versalzte ihm die Siegersuppe gründlich, musste aber früh mit dem totalen Rückzug bezahlen. Ladia Pit dagegen, trotz mäßigen Tempos unterwegs nie angegriffen, packte auf dem letzten Fünftel ein so gewaltiges Schippchen drauf, dass Mystical Columbus glatt abblitzte, und avancierte mit 94er Odds zur längsten Siegerin des Abends.
In den verbleibenden Profi-Rennen imponierten zwei Wuhlheider Dreijährige vorneweg ungemein: Erst gewann Tina Dahlbüddings Titan Lad in Andreas Gläsers Hand auch sein zweites Rennen nach der Pause in absolut souveränem Stil und bewegt sich ganz vorsichtig auf die Fußspuren seiner prominenten Brüder Chinas As und Cinas Boy zu, drei Rennen später war Bara Rita eine genauso unantastbare Macht. Die Schweden-Stute, die für »Tre Kronor«-Farben unter Order steht, gewann auch den zweiten Auftritt ihres noch kurzen Arbeitslebens wie sie wollte und erteilte den nächstbesten Indigo Blue und Odette Hill, die frühe Fehler wegzustecken hatten, eine deutliche Abfuhr.
Bei den Amateuren hatten die Champions die Trumpfasse im Ärmel. Jedoch musste Hans-Jürgen von Holdt, der Prince Jaycee mit einer regelrechten Slalomfahrt Ende der Startgeraden an die Spitze bugsiert hatte, völlig unerwartet bis zur Linie schwitzen, um den durch die Todesspur stark wie nie zuvor in Berlin aufspielenden Ksi d’Or mit einem »kurzen Kopf« auf minimaler Distanz halten und den Abstand zu Rita Drees auf 30:31 verringern zu können. Der »Hobbymeister« der Wuhlheide wird wie im Vorjahr Sebastian Gläser heißen, der seine Titelverteidigung mit Knabbel Crown nochmals deutlich unterstrich. 1300 Meter vor »Abpfiff« ans Dirigierpult getreten, hatte der vormalige Seriensieger gegen den stark spurtenden Sirius Bes stets eine deutliche Antwort in den Hufen und scheint auf bestem Weg zu einstiger Stärke, nachdem die bisherige Saison für ihn wegen gesundheitlicher Probleme, die längere Pausen erzwangen, nur als sehr durchwachsen bezeichnet werden kann.
Die beiden Gästefahren gingen an ausgesprochene Routiniers, die die favorisierten Vierbeiner jeweils bombensicher nach Hause schaukelten und ihnen dabei in 1:20,3 bzw. 1:21,3 sicher kein Bein ausreißen mussten. Cornelia Hagen, Gattin von Berufsfahrer Benjamin, lieferte mit Quietly Born eine ausgesprochen »abgezockte« Fuhre, hielt sich immer in Deckung und schlug im Einlauf Charlott ganz souverän aus dem Feld.
Viel simpler erledigte »Mr. Gästefahren« Jörg Barkholz die ihm gestellte Aufgabe. Als er Dr. Buntschuh glatt vom Start und gleich in Front gebracht hatte, war der Knoten um den Sack schon geschlungen. Zugezogen wurde er ab dem Schlussbogen, als der mehrfache Gästefahren-Sieger richtig Gas gab und den Rest locker abschüttelte.
|