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| Marisa Bock, Manfred Zwiener und Sebastian Gläser mit Doppelpacks Berlin - Karlshorst / 08.01.2010 |
Bentley Sun mit Nummer 29 / Violet Hall für 10:10 / kleine Felder, große (Umsatz-)Gelder (mw) Karlshorst, Freitag, 8. Januar 2010. Mächtig zu tun hatte die Bahninspektion, um bei Schneehöhen um die 15 Zentimeter und Dauerfrost deutlich unter 0° die Pferdesportpark-Piste in einen halbwegs akzeptablen Zustand zu bekommen. Für die inneren Spuren klappte das teilweise recht gut, weiter oben war’s ziemlich glatt, sodass ohne Winterbeschlag gar nichts ging. Diese selektiven Bahnverhältnisse sorgten für die eine oder andere negative Überraschung, denn nicht alle Traber kamen mit dem Schnee-Sand-Gemisch zurecht. Insgesamt stand die Form jedoch bombenfest in den Feldern, die durch die wegen verschneiter Straßen daheim bleibenden Tschechen- (2) und Löschel-Trotter (7) sowie einige andere Ausfälle arg gerupft waren. Das tat der Wettlust überraschenderweise gar keinen Abbruch. Mit einem Schnitt von 6.564 Euro pro Rennen blieb das befürchtete Desaster aus, mehr noch: Die bei zehn Rennen oft so schwer zu knackende 50.000 Euro-Grenze wurde bei nur acht Prüfungen mit Hurra genommen, und das, obwohl von anderen deutschen Bahnen und Vincennes, das ja auch den Einen oder Anderen in die Wetthallen zu locken versteht, mangels Veranstaltungen keinerlei Unterstützung kam. Ob dieser plötzliche Umsatz-Aufschwung allein dem veränderten Karlshorster Wettangebot zu verdanken ist, das vielleicht nicht jedermanns Sache ist, vor allem jedoch erst einmal verinnerlicht werden muss, kann nach erst einem Renntag kaum beurteilt werden. Eher dürften es die beiden Jackpots gewesen sein (1.000 an Stelle der sonst üblichen 500 Euro für die Siegwette im 1. Rennen, 3.000 Euro für die G4-Wette im 4. Rennen) und die mehr als 8.000 bzw. 10.000 Euro akquirierten, die die Wettlust ankurbelten. Wenn der Rubel erst einmal ins Rollen gebracht ist, wird auch verstärkt weitergezockt - dies war auch fünf Tage zuvor beim ebenso verblüffenden Mariendorfer Umsatzhoch zu konstatieren. Nichts Neues dagegen an der Fahrerfront, wo die Meister gleich mächtig ihre Claims abzustecken begannen. Drei Sieger kamen aus dem Schöneicher Quartier des bundesdeutschen Trainerchampions Roman Matzky, drei aus dem des Karlshorsters Andreas Gläser, wobei der Vater mit gutem Beispiel bzw. Patriot Titan voran fuhr und Sohn Sebastian, immerhin Karlshorsts Bester der Hobbyfahrer 2008 und 2009, der Konkurrenz mit einem Doppelpack gleich zeigte, dass für 2010 der Hammer an gleich hoher Stelle hängt. Für zwei der Matzkyschen Trainerzähler zeichnete Marisa Bock, die die vergangene Saison als bundesweite Nummer 5 und Beste im Trabreiten abgeschlossen hatte, verantwortlich - da wollte sich Manfred Zwiener in seinem Wohnzimmer die Butter nicht gleich zum Jahresauftakt vom Brot nehmen lassen und hieb ebenfalls zwei Kerben in sein Konto. Er eröffnete die Karlshorster Saison 2010 mit einem glatten Sieg von Ischtvan, der sich eine Runde lang am Ende des kleinen Pulks, aus dem sich Trainingskameradin Schwuppdiwupp gleich im Galopp verabschiedet hatte, tummelte, dann einen langgezogenen Spurt ansetzte und damit den hoch gehandelten Frontrenner Starfighter Andrup ganz lässig abschoss, dem auch noch New Star Simoni den Zahn zog. Noch einmal Zwiener vor Bock nach sehr ähnlichem Muster hieß es im 6. Rennen, in dem Violet Hall als 10:10-Favoritin mit dem wärmstens empfohlenen Starlight Andrup genauso kurzen Prozess machte, als der 53jährige die Polin auf Hochtouren laufen ließ. Der kleine Halbbruder des letztjährigen Kometen Robby Andrup stand augenblicklich auf verlorenem Posten, musste kurzzeitig sogar um den Ehrenplatz bangen, sollte sich aber mit einem Blick in die Historie den Mut nicht nehmen lassen: Vor ziemlich genau einem Jahr beendete Robby Andrup, ebenfalls frisch aus dem Westen eingesiedelt, seinen ersten Berliner Start als Fünfter. Danach folgten neun zum Teil spektakuläre Siege an der Strippe mit zwei Standardrennen-Siegen in Amateurfahren als Sahnehäubchen - da kann Starlight, der eine ebenso gewaltige Hinterhand wie sein Bruder hat, sein Licht also noch ganz schön funkeln lassen. Natürlich gewann Marisa Bock mit ihrem Paradepferd Bentley Sun. Der nunmehr 29fache Seriensieger war vom Anpfiff weg hellwach, verkniff sich auf glattem Parkett jeden Ausrutscher, ließ sich von Umbra Houberg bis an die letzte Ecke den Weg weisen und spielte dann die letzte Instanz: Im Handumdrehen war das Urteil gegen die Leaderin gefällt, hinter der sich Jorma Oikarinen klugerweise auf die Verteidigung des Ehrenplatzes beschränkte, womit die heute sehr manierlich zu handhabende Braune gegen Charlott keinerlei Probleme hatte. Punkt zwei holte sich Marisa mit der Start-Ziel den Takt vorgebenden Day Ventury, die der in ihrem Rücken vergeblich hoffenden Yasmin Hallinck im Einlauf einfach davon flitzte. Für Matzkys Trainertreffer Nummer drei sorgte Marisas Lebensgefährte Thorsten Tietz, der im Bänderstart-Vergleich Lillyofthevalley richtig vom Start schmettern ließ und mit der Norwegerin gegen die dahinter bestens positionierte Honestly Diamant jederzeit die Hosen anhatte, während sich die Favoritin Fiona Kö, im Hintertreffen auf der Lauer liegend, im letzten Bogen in einer unübersichtlichen Situation mit einer Galoppade aller Chancen beraubte. Der Rest war Sache des Teams Gläser Vater & Sohn. Zunächst verlor Patriot Titan den vermeintlich schärfsten Gegner Chameur durch eine schwere Galoppade Ende der Startgeraden, dann sprang ihm auch noch im ersten Bogen Anita vor der Nase weg, so dass der Hengst die Führung geschenkt bekam und dies bis zum Pfosten dankend annahm. Zwar schaltete sich die tapfere Anita noch einmal sehr energisch ein, doch war mehr als der Ehrenplatz zum Titanen absolut nicht drin, der trotz des nur eine halbe Länge betragenden Vorsprungs in höchstem Maße souverän wirkte. Danach war Trainersohn Sebastian an der Reihe, der schon in 2009 als Vierter Deutschlands mit 23 Siegen aus lediglich 62 Fuhren einen außerordentlich guten Schnitt verzeichnet hatte. Mit Bella Block jagte er Hi Darling Diamant sofort die Spitze ab, doch gelöst hatte die Kommissarin den Fall damit noch nicht - im Gegenteil: Wolfgang Rohdes Braune musste sich mächtig strecken, um die Wintermatadorin in einem messerscharfen Finish, in dem auch die Riesenaußenseiterin Mila Del Norte noch einige Aktien ins Spiel brachte, in Schach zu halten. Pech fürs Darling von André Schiller, für das es beim fünften Start den vierten Ehrenplatz gab. Leichter hatte es Gläser junior in der abschließenden Prüfung der höchsten Tagesklasse, der bis eingangs der Zielgeraden der kurzfristig André Pögel anvertrauten Ocean AL den Tempostempel aufdrückte. Als sein Schatten Distant Thunder 300 Meter vor Schluss herausgenommen wurde, war’s um den Tschechen mit dänisch-niederländischen Eltern rasch geschehen, der sich immerhin gegen den erst spät richtig ins Rollen kommenden Ksi d’Or mit Klauen und Zähnen verteidigte und für Platz zwei »totes Rennen« erzwingen konnte. Distant Thunder jedoch, seit einigen Wochen in exzellenter Verfassung, marschierte wuchtig auf und davon und sorgte für einen funkelnden Abschluss des kleinen, halbwegs zügig durchgezogenen Acht-Rennen-Programms, über das unterm Strich auch der Totochef gestrahlt haben dürfte. Umsatz: 52.509,- Euro (incl. 36.350,- Euro Außenwette) |
