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Bentley Sun verwandelt Elfmeter zum 31. Sieg in Serie
Berlin - Karlshorst / 05.03.2010

Diesmal vernascht er die Mitstreiter mit überwältigendem Speed - Violet Hall mit viertem Saisonsieg - Thomas Buley einziger Doppelsieger des frostigen Abends

(mw) - Karlshorst, Freitag, 5. März 2010. So hatte sich Manfred Zwiener, Karlshorster Bahnchampion und aktueller bundesdeutscher Tabellenführer, den frostig-kalten, aber trockenen Abend in der Wuhlheide sicher nicht vorgestellt. Von der Papierform her stark besattelt, sprang unterm Strich lediglich ein Treffer heraus - mit der wiederum in allen Belangen überzeugenden Polin Violet Hall, die auch die vierte Aufgabe des Jahres überaus souverän löste und damit an der Spitze der Karlshorster Siegstatistik für 2010 steht. Zur Halbzeit gab Zwiener der kräftig-eleganten Fünfjährigen aus dem Mittelfeld den Kopf frei, überrannte in Windeseile die führende Blueberry Pie, als ob die auf der Stelle treten würde, und behielt gegen deren Konterversuch im Einlauf »mit Angucken« die Nase weit voraus. So ähnlich hat sich der Europameister von 2000 sicher auch die eine oder andere Partie vorgestellt, doch machten ihm sein vierbeinigen Partner mehr oder weniger dicke Striche durch die Rechnungen. Der Däne Loke sprang, an zweiter Stelle innen noch prominent liegend und »keinen Meter gefahren«, an der letzten Ecke, hätte wohl aber auch ohne Fehler weder Titan Lad noch Yumei Energy ernsthaft fordern können. Die Beiden machten das Rennen unter sich aus, wobei der kleine Bruder des mit einer unendlichen Verletzungsserie kämpfenden Cinas Lad ein tolles Saisondebüt ablieferte. Aus dem Rücken der fliegenden Holländerin, die schon auf zwei, drei Längen enteilt war, drehte er ohne sonderliche Mühen seines Chauffeurs und Ausbilders Andreas Gläser eher sicher - wie es auch der Zielrichter sah - denn nach Kampf den Spieß um, auch wenn’s am Ende nur ein »Kopf« war, der beide trennte.

Mit Blade Runner setzte Zwiener diesmal aufs späte Gehen, doch als er dem kitzligen Burschen im Schlussbogen in dritter Spur endlich den Marschbefehl gab, war der Prahler-Sohn mal wieder mit den Gedanken ganz woanders - im Galopperlager nämlich. Sein Aussetzer bedeutete den Sieg für Usigny Metjo, den Jacobus Snoek nach 600 Metern resolut in die Pole Position beordert hatte und der sich mit Klauen und Zähnen gegen den durch die Todesspur ein Riesenrennen abliefernden Diamond Day verteidigte. Musste Edelbert Ohmer hier noch mit Ehrenplatz vorliebnehmen, so schlug die Stunde des Helvesiekers, der wegen Erreichens der Altersgrenze nur auf Traberliga-Bahnen, sprich derzeit Karlshorst, um Prämien und Platzierungen in den Sulky steigen darf, drei Rennen später. In der Klasse der (Gewinn-)Armen kam Jumbo Jackson zum zweiten Mal in seinem nun fünf Rennen umfassenden Arbeitsleben ohne Abwurf durch den Parcours und angelte sich folgerichtig die zweite Siegerschleife. Bis zum Ziel blieb er ein Jumbo und ganz locker vor Running Suzy, die ihre mit Abstand beste Deutschland- und Karriere-Leistung mit einem speedigen Ehrenplatz krönte.

Hatte Zwiener in dieser Prüfung mit dem Unsicherheitsfaktor Nicholas Simoni, der diesmal fehlerlos immerhin bis auf die Zielgerade kam, nur einen Außenseiter an der Hand, so stand die Ampel für Chameurs zweiten Saisonsieg eigentlich voll auf Grün. Kein Schnee, nicht übermäßig furchterweckende Rivalen waren die Ingredienzien  der Suppe, die der Veranstalter dem Sharp-Kontakt-Sohn vorsetzte. Doch dann blieb der Sechsjährige mit seinem Angriff in dritter Spur hängen, und im dramatischsten Endkampf des Tages, in dem bis auf die eingangs der Zielgeraden springende Tempomacherin Kiowa Attack alle ihre Chance hatten, riss ihn Hands Up Diamant mit dem letzten Schritt aus allen Träumen. Ausgerechnet Hands Up Diamant, der beim Start zuvor aus der Frontlage die Gegner vor vollendete Tatsachen stellen wollte und damit Schiffbruch erlitten hatte. Diesmal wählte Thomas Buley die verdeckte Variante, nutzte im letzten Bogen Chameurs Windschatten und raufte sich mit mächtigem Einsatz um Haaresbreite am Top-Favoriten vorbei. Weil’s so schön war, legte der Berufsfahrer gleich noch einen drauf: Besser als U see it kann man ein Pferd aus dreimonatiger Pause kaum vorstellen. Die knurrige kleine Braune startete nach einer Runde aus dem Mittelfeld heraus eine Blitzattacke, die Xerax so überrumpelte, dass der die Stute erst vorbei lassen musste, bevor er selbst offensiv werden konnte. Die Glass-Hanover-Tochter übernahm noch vorm Schlussbogen das Kommando, wackelte und wankte auch nicht den kleinsten Schritt und ließ den guten Xerax regelrecht abblitzen. Es war beim 18. Auftritt der siebente Streich von U see it, die es dabei nach der heute gezeigten Form nicht lange wird bleiben lassen. 

Zum Auftakt schlug die Stunde von Henry, den Ines Kubatzki im Rücken der durch die Todesspur pflügenden Caribia auf die Lauer legte und der auch deswegen leicht nach Hause kam, weil die frische Doppelsiegerin Lillyofthevalley lange Zeit gut verpackt lag, dabei mächtig gegen die Hand ging und so jene Reserven für nichts verpulverte, die nötig gewesen wären, um dem großen Braunen vielleicht doch noch ein Bein zu stellen. Natürlich verwandelte Bentley Sun seinen Elfmeter, und natürlich tat er das in Tagesbestzeit und spielte dabei nur ein bisschen mit den Gegnern. Diesmal ließ Marisa Bock ihr Paradepferd lange im Mittelfeld verharren; als sie dem nunmehr 31fachen Seriensieger im letzten Bogen den Kopf freigab, war’s im Nu um die Konkurrenz geschehen. Turmhoch überlegen segelte der nicht im mindesten an seine Grenzen gehende Riemekasten-Trotter auf und davon, und dahinter sicherte sich die speedige Kanzone, die sich erst aus dem Rücken der völlig einpackenden Tempomacherin Annatevka schlängeln musste, den Ehrenplatz knapp vor Nuke It Royal. Der fiedelte Umbra Houberg auf der Linie ums dritte Geld weg, setzte seine kleine Aufwärtsrallye fort und war somit der Überraschungsgast in der Dreierwette.

Den Amateuren war der Absacker vorbehalten, in dem die Vierer-Serie von Workman gründlich riss. Der »Arbeiter« verschluckte sich am harten Brot der fast permanenten Todesspur gründlich und trudelte - abgesehen vom früh zum Rückzug blasenden Baerlos Graf - als Letzter am Richter vorbei. Umso besser verkaufte sich Don’t Touch. Der Schwede, zweimal mit Uwe Stamer nicht fehlerfrei um die Bahn gekommen, dabei aber durchaus viel Laufvermögen verratend, ließ heute alle Mätzchen im Stall, setzte sich 1400 Meter vor Abpfiff an die Spitze und in der Entscheidung so rasch ab, dass der knackige Endspurt der Virginia Corner zumindest für Platz eins voll ins Leere lief. Vater Stamer konnte beim siebenten Jahresstart bereits zum dritten Mal den Rückweg über die Siegerparade nehmen und hat damit in der familieninternen Wertung gegenüber Sohn Franz-Josef (2) die Führung übernommen.